Preußenpark

Mit den Bürgerinnen und Bürgern Veränderungen gestalten

Der Preußenpark in Wilmersdorf war und ist ein Ort gelebter Integration. Wer hierhin am Wochenende mit seiner Familie einen Ausflug macht, kann bei fliegenden Händlern leckeres Essen im Freien genießen. Denn auf der „Thaiwiese“ kommen unterschiedliche Nationalitäten zusammen und unterhalten sich, spielen miteinander und essen gemeinsam.

Diese Community und ihr friedlicher Austausch wurden über die Jahre aber von ihrem eigenen Erfolg eingeholt. Mit jedem Jahr kamen mehr Menschen, mit jedem Jahr kamen mehr Händler. Der Park konnte dieser Überlastung und auch der unglaublichen Hitze im Sommer einfach nicht mehr Stand halten. Das Rasenrondell ist nun teilweise eine Wüste. Einfach zu viele Händler sind vor Ort. Nicht alle halten sich an die Regeln. Teilweise wird sogar Alkohol verkauft.

Im Jahr 2018 haben sich deswegen alle Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung auf den Weg gemacht, eine Veränderung mit der Thai-Community, den Anwohnerinnen und Anwohnern und auch den Gästen herbeizuführen. Das allgemeine Ziel ist es, den Preußenpark so umzugestalten und aufzuwerten, dass Anwohnende und Gäste des Parks diesen als Ort der Erholung und der Freizeit genießen können. So sollen die legalen Verkaufstätigkeiten der fliegenden Händler auf einen neuen, klar abgegrenzten Bereich beschränkt werden und durch ein Kontingent der Verkaufslizenzen die besondere Atmosphäre des Parks erhalten bleiben. Es war insbesondere die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf, die auf ein gemeinsames Vorgehen der gesamten Verwaltung drängte. Ein Antrag zur Ausgestaltung des Bürgerbeteiligungsprozesses sollte die Anwohnerinnen und Anwohner, die Thai-Community und die Nutzenden mit einbeziehen.

Für die SPD-Fraktion musste der Bürgerbeteiligungsprozess nach einer Lösung suchen, die für alle tragbar ist. Im Frühjahr 2019 haben Landschaftsarchitekturstudierende der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Loidl-Reisch vielfältige und kreative Vorschläge eingereicht. Von der kompletten Veränderung der Wegegestaltung bis hin zu einem Holzrondell war alles dabei. Die Bürgerinnen und Bürger konnten in verschiedenen Kategorien, wie beispielsweise Parkanordnung oder Spielplatzgestaltung ihre Voten abgeben. Ein Architekturbüro hat diese Voten im Februar 2020 zusammengeführt, die Umgestaltung des Parks in drei Bauabschnitte, den sog. Masterplan, eingeteilt und in einer Veranstaltung vor Ort präsentiert. Auf der Website mein.Berlin.de konnten sich für mehr als 6 Monate Interessierte mit Vorschlägen für den Umbau einbringen. Die Bürgerinnen und Bürger konnten hier Ihre Vorstellungen einbringen, was sie sich von einem „Park für Alle“ wünschen. Dieser ganze Beteiligungsprozess hatte aber auch so seine Tücken. Zum einen nimmt dieser schon eine sehr lange Zeit in Anspruch und zum anderen wurden in den längeren Pausen zwischen den aktiven Beteiligungsmöglichkeiten, die Gründe für die Verschiebungen nicht mitgeteilt. Dieses intransparente Vorgehen, führte verständlicherweise zu Frust bei den Anwohnerinnen und Anwohnern. Die SPD-Fraktion hatte immer wieder mehr Transparenz und Schnelligkeit angemahnt.

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat am 08. September 2020 ein Betriebskonzept für den zukünftigen Streetfoodmarkt im Rahmen der Neugestaltung des Preußenparks beschlossen – also das inhaltliche Konzept des interkulturellen Treffpunkts. 60 Markstände sollen Essen, aber kein Alkohol, verkaufen dürfen. 8 Monate im Jahr kann von Freitag bis Sonntag der Streetfoodmarkt besucht werden. Das neue Multifunktionsgebäude, am nördlichen Haupteingang des Parks geplant, wird die mobilen Stände lagern und weitere bezirkliche Angebote beherbergen. Es wird ein Pfandsystem für das Geschirr geben, damit kein Müll entsteht. Ein noch zu findender Betreiber soll das Marktgeschehen organisieren und ein Marktbeirat wird gegründet. Das Konzept stammt aus der Feder des Integrationsbüros, das alle Abteilungen der Verwaltung eingebunden und sich vor allem mit der Thai-Community vor Ort ausgetauscht hat. Da jetzt alle Weichenstellungen vorhanden waren, konnte mit dem Bau begonnen werden. Im Herbst 2020 wurde eine provisorische Schotterfläche an der Nordwestseite des Preußenparks aufgebracht. Die Umgestaltung des Parks wird bei gleichzeitigem Betrieb des provisorischen Streetfoodmarktes auf dieser Fläche von statten gehen. Der Normalbetrieb des Marktes soll dann nach Fertigstellung des Multifunktionsgebäudes starten.

Um die Umgestaltung des Parks auch finanziell zu ermöglichen, bekommt Charlottenburg-Wilmersdorf nun sogar Hilfe vom Bund. Dort hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Förderung des Preußenparks mit 3 Mio. Euro aus dem Sonderprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel beschlossen. Gerade weil der Park ein tolles Beispiel für Berliner Stadtkultur in ihrer Vielfalt und Originalität ist.

Ich stehe für eine transparente Politik mit den Bürgerinnen und Bürgern und werde Sie daher auch weiterhin über alle Zwischenschritte informieren. Die größte Herausforderung liegt nun zukünftig darin einen geeigneten Betreiber zu finden. Dieser muss vor allem integrative und soziale Belange berücksichtigen, um die Thai-Community in diesen neuen Strukturen zu betreuen. Die Neugestaltung des Parks muss nun endlich beginnen und zügig voranschreiten. Dieser Punkt bereitet mir aber das größte Kopfzerbrechen, denn bisher ist einfach zu wenig passiert.

Ich werde daher diesen Prozess auch weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten und stehe für Fragen sehr gerne zur Verfügung.

Ein Kommentar zu “Preußenpark

  1. Liebe Frau Buß,

    Sie schreiben, dass Sie den Parkumbau des Preußenparks weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten wollen. Aus Bürgersicht ist das eine sehr unterstützenswerte und sympathische Position.

    Seit Ihrem Beitrag vom Februar 2021 ist Einiges passiert, was etliche Bürgerinnen und Bürger auch in Charlottenburg-Wilmersdorf die Planung inzwischen anders sehen lässt. Die Bäume und Gehölze sterben in Berlin mit einer Geschwindigkeit, wie man das in den vergangenen Jahren noch nicht erlebt hat. Unübersehbar auch im Preußenpark!

    Berlin war letztes Jahr das Bundesland mit den geringsten Niederschlägen und es sieht sehr danach aus, als würde Berlin wieder das Schlusslicht bilden.

    Im Bezirksamt scheint das aber alles noch nicht richtig wahrgenommen zu werden. Der erste in Angriff genommene Planungsschritt für den Umbau des Preußenparks ist weiter die aufwendige und teure Gestaltung des Hangspielplatzes, für den u.a. ein Vogel- und Eichhörnchen-Habitat gerodet werden soll. Einen Protest hat man bisher weder von der BVV noch vom Umwelt- und Grünflächenamt wahrgenommen. Die Naturvernichtung findet in einem Parkbereich statt, der vom Landschaftsplanungsbüro auch noch als Naturpark ausgewiesen wird.

    Ich will jetzt nicht auf die vielen anderen geplanten Baumaßnahmen für den Preußenpark eingehen, aber nur soviel: Der in der Bewerbung für das Bundesprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel aufgeführte „Modellhafte Umbau des Preußenparks“ ist leider genau das Gegenteil von dem, was wir angesichts des immer schneller stattfindenden Bäumesterbens in unseren Grünanlagen benötigen.

    Eine Neuversiegelung von ca. einem Dreiviertelhektar für Spiel- und Sportanlagen, einem Marktplatz, einer Sichtachse, einer Rampe und last not least für ein Multifunktionsgebäude ist eine Katastrophe für einen kleinen Park, dessen Tier- und Pflanzenwelt es schon seit Jahren nicht gut geht.

    Erst wenn die letzte Fläche im Park einer möglichen Nutzung zugeführt worden ist, dann wird man sich den Rest vornehmen. Bei Capatti-Staubach liest sich das so: „Die in einem Teilbereich der Sanierung erhaltene naturnahe Gestaltung soll insektenfördernd wirken und ein Habitat für zahlreiche Arten bieten“.

    Besser wäre es, diesen Masterplan aufzukündigen und den geplanten „modellhaften Umbau des Preußenparks“ (Capatti-Staubach) zu verhindern. Machen wir’s den mutigen und revolutionären Neuköllnern nach!

    Mit besten Grüßen

    Edelgard Achilles

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